Nachhauseweg

By 9. September 2019Deutsch, Gedicht, Poesie

So stehen sie denn, die Straßenlaternen. Die Köpfe gebeugt. Erleuchtet. Die meisten gerade und manche etwas schief. Am Straßenrand. Unverrückbar. Neben ihnen Verkehrslärm. Ich wandle die Straße entlang. Im Hintergrund Kindergeschrei. Die Geschäftigkeit eines Stadtteils.

Ich tauche nach rechts ab. Trete in eine eigene Welt. Bäume wechseln die Straßenlaternen ab. Auf einer laubbestreuten Allee setze ich gemach einen Fuß vor den anderen. Es ist ruhig. Der Lärm des Alltags tritt völlig in den Hintergrund. Hier ruhen sie in Frieden. Eine gebückte Frau gräbt Blümchen ein. Ein alter Mann schwingt seine Gießkanne. Entspannte Geschäftigkeit. Der Kies knirscht gemächlich unter meinen Sohlen.

Ab nach links, durchs Tor, trete ich wieder in die Welt der Lebenden ein. Die Straßenbahn rattert an. Bleibt stehen. Ich steige in sie ein. Von stickigem, heißem Dampf umhüllt trägt sie mich. Und geschäftige Menschen, in Gespräche vertieft. Gleitend. Ein Stückchen weiter. Bis hin zur Endstation.

Ich steige aus und laufe eine langgezogene Kurve zurück. Jedes Mal wieder. Schon seit 20 Jahren gehört die Haltestelle versetzt. Die Stadtplanung ist anderer Meinung. Und so laufe ich 200 Meter retour. Schaue mehrfach nach rechts und links. Überquere die Straße, an der jegliches gesetzte Tempolimit keine Auswirkung zeigt. Dann nach links den kleinen Berg hinauf. Noch 8, 6, 4, 2 Häuser entlang. Die schmale, kiesbestreute Ausfahrt hinein. Dann rechts durchs niedrige Holztor, von dem manchmal die Farbe abblättert. Stecke den Schlüssel in die Tür. Und bin. Zuhause.

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Ich bin Monika und das Gesicht hinter texts by monswap. Als lebenslanger Bücherwurm, gelernte Buchhändlerin und Literaturwissenschaftlerin liebe ich Sprache und das geschriebene Wort. Deswegen lege ich auch in meiner Freizeit selten den Stift aus der Hand.

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