Weite

By 13. September 2018Deutsch, Gedicht, Poesie, Texter

Ich sehe in die Weite. Bis meine Augen tränen, weil sie nicht weiter sehen können. Himmel trifft auf Horizont. Wolken schweben vorbei. Formieren sich neu. Lösen sich auf. Weite, Freiheit, Leichtigkeit.

Vom Alltag gelöst erscheinen meine Sorgen und Schwierigkeiten klein und abstrakt. Momente vollkommener Gelassenheit. Das tägliche Gehetze von einem Termin zum nächsten, von einer Verpflichtung zur nächsten fällt von mir ab. Für eine kleine Weile muss ich nicht müssen. Ich breche aus der Enge aus, die mein Kalender für mich vorgibt. Die ich ihm vorgebe und damit mir selbst. Ich erhebe mich darüber.

Aus dieser Weite, der räumlich anderen Sichtweise heraus, ergibt sich für mich auch eine neue Perspektive auf mein Leben. Spätestens dann, wenn ich mich frage, wie ich jenes Gefühl der Weite in meinen Alltag integrieren kann. Wie ich mich – auch ohne Meer und Berge, vom heimischen Balkon aus beispielsweise, oder auf dem Weg zur Arbeit, oder beim Spaziergang am See – für wenige Momente erheben kann. Mein Brustkorb sich öffnet, damit frische saubere Luft hineinströmen kann. Und mir ein Lächeln auf die Lippen zaubert.

Wenn ich vom Alltag keinen Urlaub mehr brauche und realer Weitblick nur noch ein angenehmer Nebeneffekt ist, habe ich es geschafft. Weite, Freiheit, Leichtigkeit.

About monswap

Ich bin Monika und das Gesicht hinter texts by monswap. Als lebenslanger Bücherwurm, gelernte Buchhändlerin und Literaturwissenschaftlerin liebe ich Sprache und das geschriebene Wort. Deswegen lege ich auch in meiner Freizeit selten den Stift aus der Hand.

Leave a Reply

Content
Next Post